Reparaturen an einer XJ6

  • Moin,


    bei mir stehen die Tage einige Reparaturen an, ich wollte euch einfach mal zeigen, für die, die es interessiert, wie das so alles geht. Warum ich das jetzt mache? Naja heute habe ich festgestellt, dass die Gabel nicht mehr dämpft, so kann ich nicht weiter fahren. Zudem klackt es kräftig im rechten Holm und es geht viel zu weich (mit 1 Hand auf Anschlag einfedern geht), also vermutlich eine Feder gebrochen. Und paar andere Dinge stehen eh an, da hab ich nun alle nötigen Ersatzteile bestellt und werde die nächsten Tage einfach alles machen.


    Zu tun wäre:
    1. Gabelservice & vermutlich neue Federn rein
    2. neue Kupplung rein und falls ich ohne Motor spalten ran komme, Getriebe inspizieren, ob ich ran komme sehe ich, wenn die Kupplung draußen ist
    3. neue Zündkerzen rein



    Fangen wir mal mit Punkt 1 an. In der Yamaha Vertragswerkstatt würde mich das 370€ kosten. In einer freien Werkstatt 280. Ich machs aber selber, also nur Material: 120€ Wilbers Federn, 20€ Öl, Bremsenreiniger, blabla.


    Da ich aber noch nicht 100% weiß, ob tatsächlich eine Feder kaputt ist, nehme ich die Gabel zuerst auseinander und gucke mal, was drin is. Das mache ich morgen. Heute war erstmal die Aufgabe, das Motorrad irgendwie aufzubocken. Per Montageständer an der Nabe hochheben wäre das einfachste, nur leider Unsinn, da die Gabel ja raus kommt :P Per Scherenspreizer unterm Motor anheben ging auch nicht, das tut dem Krümmer so weh. Also kam mir da eine Idee.......

    So und nun schlaf ich ne Runde und morgen gehts der Gabel an den Kragen.


    Viele Grüße,
    Dennis

  • Moin.


    So heute mal bisschen gearbeitet...wie macht man also nen Gabelservice an einer Telegabel? Ganz leicht. Erstmal bringt man das Vorderrad in die Luft, falls man keinen Hauptständer hat zb so wie ich. Dann baut man das Rad und Schutzblech aus, dreht die Klemmungen an der oberen Gabelbrücke auf, lockert den großen Standrohrverschlussdeckel (nur LOCKERN, nicht abschrauben), danach kann man die untere Klemmung lösen und die Federbeine ausbauen.


    Das kann mitunter schwer gehen, weil grade bei nicht verkleideten Maschinen, die im Freien stehen die Klemmungen rostig sein können...

    Bisschen Glitschi und gefühlvoll mit viel Kraft dran zerren geht aber. Beim Zusammenbau sollte man den Rost abschleifen (da reicht 400er völlig aus, nicht gröber), dann würde ich empfehlen, es zu versiegeln. Ich mach sowas immer damit. Das Zeug is echt gut, kann man auch auf polierte Aluteile sprühen und die glänzen nach 3 Jahren noch wie frisch poliert.


    Anschließend weiche ich vom Reparaturhandbuch ab, dort soll man das Öl nach oben ablassen. Blöde idee, dann muss der ganze Schlamm, der sich unten ansammelt, durch den Dämpfer... Also öffnet man unten die Ablassschraube. Die is mit Locktite in der Dämpferkartusche verschraubt, daher passiert es manchmal (wie bei mir), dass die Kartusche sich mit dreht und das Teil nicht auf geht. In dem Fall das Federbein mit Kraft eindrücken und dann nochmal versuchen, aufzuschrauben, der Federdruck könnte reichen. Wenn nicht (wie bei mir), hillft ein Schlagschrauber. Unter der Schraube is ne Kupferscheibe, die sollte man rauspulen, sonst liegt sie nachher mit im Altöl. Nun kann man das Standrohr sehr weit aus dem Tauchrohr ziehen, bei manchen Maschinen wie der XJ6 ist da ein Anschlag, bei manchen nicht ... Durch reindrücken und rausziehen pumpt man den Gabelholm leer. Das macht man halt so lange, bis nix mehr kommt, lässt es dann über der Ölwanne noch nen Augenblick hängen


    Joa und nu das spannende: den Deckel den man vorher gelockert hat abschrauben. Da ist bisschen Federspannung drauf, vielleicht 10kg in meinem Fall...also festhalten. Danach kann man die Einzelteile entnehmen - Distanzhülse, Scheibe, Feder, Dämpferelement, Anschlagdämpferfeder. Unten ist noch die untere Dämpferbuchse drin. Die passt nicht durch das Standrohr und fliegt daher im Tauchrohr rum :rolleyes: Selbstverständlich landet die zu 99% immer genau falsch herum wieder auf dem Ablassloch unten (sie ist wie ein Kolben aufgebaut, wobei die plane Grundfläche halt nach unten muss, der Rest steckt dann im Standrohr). Nach 5h Frickelei :cursing: hab ichs dann aber hingekriegt :thumbup:


    Das ganze spült man gründlichst mit Bremsenreiniger aus, bis wirklich aller Schlamm usw weg ist. In meinem Fall war das Zeug da drin eine schleimige, dünnflüssige Brühe und unten war zähflüssiger Schlamm. Auch alle Einzelteile mit Bremsenreiniger abduschen, insbesondere die Dämpferkartusche (ich habe 2 Dosen á 600ml verbraucht) und trocknen lassen. Nu kann man gucken, wie es um die Federn steht. In meinem Fall ist die Soll-Länge 365,1mm, Verschleißgrenze 357,8mm.

    Passt. :thumbsup: Nun alles in umgekehrter Reihenfolge zusammen bauen, alle Gewinde von Schraubensicherungsmittel befreien. Deckel oben drauf schrauben, nun unten die Ablassschraube eindrehen mit neuer Kupferdichtung und mit Locktite, mit Drehmoment anziehen... Dann kann man den Deckel wieder abschrauben und das Ganze austrocknen lassen. In meinem Fall bis Donnerstag, weil dann das Öl kommt.


    Woher kam jetzt das Klacken in meiner Gabel? Das Lenkkopflager ist scheinbar fertig. Habe mal unten die Schutzkappe abgemacht, da bröckelt mir schon Rost entgegen. Rastpunkte sind noch keine da und viel Spiel auch nich, daher bleibt das erstmal, bis ich ne sinnvolle Lösung habe, das Motorrad vorne Lastfrei zu kriegen ;)


    Ach ja, da wider erwarten die Federn noch gut sind, gehen die Wilbers Federn zurück. Damit bin ich bei 20€ Öl, Dichtungen, Bremsenreiniger. In der Werkstatt hätte man mir - egal wie die Federn drin aussehen, neue eingebaut, weil Wilbers is ja eh viel besser als Original (was in dem Fall nichtmal stimmt, aber die Werkstätten wollen ja Profit machen).



    Update 17.07.: Das Öl kam leider erst heute an, sodass ichs erst heut fertig machen konnte. Ja was jetz noch kommt is leicht, Ölmenge abmessen, Feder, Hülse und Scheibe raus, Standrohr ganz rein schieben und Öl rein füllen. Und dann gaaaaaanz oft Standrohr raus ziehen und reindrücken. Und zwar so lange, bis man, wenn man sein Ohr oben aufs große Loch hält, kein knisternd-sprudelndes Geräusch (von winzigen Luftblasen, die durch den Dämpfer gehen) hört. Dann is fertig entlüftet. Danach die Gabel senkrecht irgendwo fest machen, möglichst gerade, und messen, zB mit Zollstock. In beide Holme sollte ziemlich exakt gleich viel Öl bzw die Luft drüber muss gleich viel sein, ich habs von 115 laut Handbuch auf 110mm Luft verringert, da ich ein straffes Fahrwerk mag. Hab auch SAE 15W statt 5W wie Original genommen...das Setup scheint so optimal zu sein. Tja...zu schrauben, fast fertig.
    Dann noch unten über den Simmerringen (die Staubschutzkappen habe ich abgemacht) Silikonfett in den Zwischenraum und dann die neuen Staubschutzkappen drauf fummeln. Falls man zu viel Silikonfett genommen hat, will das nich gehen. In dem Fall ganz Oft Rohr raus und rein, bis es genug Fett rausgedrückt hat und das ganze passt. Tja danach alles wieder einbauen und freuen. Bei mir wars n voller Erfolg vom ersten Gefühl her, viel bessere Dämpfung. Vorher Bordsteinkante: "naja..ok....geht bergab". Jetzt: "DOTZ". So lob ich mir das, Dämpfung is nun vorn wie hinten fast identisch, vorn ein klein wenig weicher.